Sehen was dahinter ist

Landschaften des Kölner Malers Frank Dömer
von Heidrun Wirth, Kölnische Rundschau, 2010

Etwas Luftiges und Leichtes, etwas Weites, das dem Verschlossenen gegenübersteht, zieht durch die Landschaftsbilder von Frank Dömer, wie derzeit in der Galerie Dreiseitel in Köln, zu sehen.
Die Spannung zwischen den eher zurückgenommenen Farben, zwischen Transparenz und Gedecktem, geht über in eine Spannung zwischen den Kompositionselementen und den Strukturen. Milde Pastelltöne (eines Renoir) im Niemandsland von Himmel und weiten vagen Flächen stehen dunklen Blau-Graustreifen (eines Courbet) gegenüber.

Klare Ordnungen von fast konstruktiven Elementen wie Brücken oder Straßen kontrastieren mit dem Atmosphärischen.
Wichtig ist dem Maler, „dass man immer ein wenig von dem sehen kann, was dahinter ist“.

Der in Köln, lebende Frank Dömer, Jg. 1961 und Meisterschüler von per Kirkeby, begann mit abstrakten Bildern und kam erst ganz allmählich im Gegenständlichen an. Als Vorlagen, sozusagen Skizzen dienen ihm Fotografien von Landschaften und Architektur. Eine Autobahnbrücke an der A59 ist nicht mehr eindeutig wiederzuerkennen: Es geht um die Balance zwischen Freiheit in flockigem Auftrag und gebundenen balkenhaften Formen. Auf dem Acrylgrund werden die Ölfarben in vielfachen Übermalungen aufgetragen und doch wirkt die Malerei spontan bis hin zur obersten Schicht mit gestisch flotten Akzenten. Manches Aufrissartige und bisweilen auch ein fröhlicher Duktus à la Matisse erinnern an den Lehrer Per Kirkeby. Und wie bei ihm bleibt das Nicht-ganz-eindeutige, das Geheimnisvolle bestehen.

Zur Fern- und Panoramasicht der Landschaften stehen Bilder vom Wald in Kontrast, bei denen man mitten im Dickicht zu stehen scheint. Die dichten vertikalen Stämme in einem schlingernden Drumherum sind im Rhythmus aus härteren Kontrasten und weichen Verwischungen entstanden. es ist ein märchenhafter Wald, nicht so düster wie bei Munch, wohl aber auch romantisch, undurchdringlich und ein bisschen verhext.

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